BAWÜLON Nr. 2/2021 (42) Süddeutsche MATRIX für Literatur und Kunst

BAWÜLON – Süddeutsche MATRIX für Literatur und Kunst Nr.2/2021 (42)

Endlich kann in BAWÜLON wieder einmal über kulturelle Veranstaltungen berichtet werden, die nicht als Livestream, sondern vor richtigem Publikum stattgefunden haben. Und da sind wir auch schon bei dem Schwerpunkt dieser Ausgabe, nämlich den von Erwin Josef Ţigla organisierten Deutschen Literaturtagen im August 2021 in Reschitza, wo nicht nur zahlreiche Dichter und Dichterinnen neue Bücher vorstellten, sondern auch die diesjährige Preisträgerin des Rolf-Bossert-Gedächtnispreises Britta Lübbers sowie der Gewinner des vergangenen Jahres Alexander Estis gefeiert wurden.

In der Erinnerung brennt ein Licht überschreibt Katharina Kilzer ihren ausführlichen und informativen Bericht über diese Literaturtage und die Erinnerung gilt zuvor dem in eben diesem Reschitza 1952 geborenen und 1986 in Frankfurt unter tragischen Umständen jung verstorbenen Rolf Bossert. So lesen wir seine Gedichte, wobei es in einem heißt: ich/schrei/be/ weil/ ich/a/gesagt habe.

Anton Sterbling lässt uns an einer Erinnerung an Rolf Bossert teilhaben. Von Britta Lübbers finden wir neunzehn Gedichte und ihre Dankesrede, in der sie sehr persönlich über ihre Annäherung an Rolf Bossert spricht und ausführt, dass sie sich dadurch auch der Geschichte Rumäniens angenähert habe.

Der Autorin gelang es, in wenigen Gedichten einen weiten, thematisch vielschichtigen und doch greifbar bleibenden Lebens- und Erfahrungshintergrund sichtbar und erlebbar zu machen, sagt Anton Sterbling, Mitglied der Jury, in der Laudatio über die Preisträgerin und er vermutet, ihre sachlichen, lakonischen und hintergründigen Gedichte hätten auch Rolf Bossert gefallen. Auf die Sprache kommt es an lautet sein Credo, das er vor sprachwissenschaftlichem und sprachphilosophischem Hintergrund gründlich erörtert.

Kurzprosa Aus dem Kleinen Neurotikon steuert Alexander Estis bei sowie die hintersinnige Geschichte Kürzung. Ein Bericht, in der er ironisch über die Schwierigkeiten eines Autors erzählt, es einem Lektor bis zur Selbstaufgabe rechtmachen zu wollen.

Carmen Elisabeth Puchianu stellt in ihrer Erzählung Die Bescherte eine Psychoanalytikerin in den Mittelpunkt. Anhand von deren Familie zeigt sie, wie sie und ihre Verwandten sich immer wieder gesellschaftlichen Veränderungen anpassen mussten, nicht ohne am Ende eine kleine Andeutung an die Zeit zu machen, während der sie die Erzählung in Kronstadt geschrieben hat: Dezember 2019 – Juni 2020.

Armen heißt der Roman des armenischen Autors Sevak Aramazd und in einem Auszug folgen wir ein kurzes Stück dem Weg des gleichnamigen Protagonisten, über dessen trauriges Schicksal Regine Kress-Fricke in ihrer Rezension schreibt, es sei gewissermaßen auch eine Metapher für das Leid von Vertriebenen und Geflüchteten.

Ein Gedicht von SAID und ein Nachruf auf ihn von Ulrich Bergmann erinnert an den im Mai dieses Jahres gestorbenen Dichter. Der aus seiner Heimat Vertriebene wurde zu einem politischen Dichter, schrieb gegen die Diktaturen des Irans und gegen gesellschaftliche Ungerechtigkeiten an, ohne Liebesgedichte zu vernachlässigen. Außer seinem Namen schrieb er alles klein, und die Zeilen schreit euren namen / laut und deutlich sind äußerst aktuell.

Sieben Achillesverse nennt Widmar Puhl seine Gedichte und deutet mit dem Wortspiel und der Anspielung auf den antiken Helden an, dass seine Texte von der Verwundbarkeit der Menschen durch bestimmte Ereignisse handeln. In der Rubrik Zeitgeschichte beschreibt er den vierten und letzten Teil seiner unterhaltsamen und zugleich nachdenklichen Abenteuerreise mit Chor.

Atelier hat dieses Mal für sehr unterschiedliche Geschichten von zwei Autoren und einer Autorin geöffnet. Elisabeth Ochsenfeld begibt sich in der Erzählung Blaue Brosche auf die Suche nach Orten, an denen sie ein Stück ihrer Kindheit wiederfindet.

Mit Andreas Andrej Peters begeben wir uns ebenfalls auf eine Reise, die in Woskresenje für den Protagonisten, einen ehemaligen Lagerhäftling, allerdings ein mühsamer Weg in die Freiheit ist.

Wie erlebt ein gebürtiger Berliner seine Stadt heute? Was hat der Klimawandel mit einer Ehe zu tun? Und warum muss Kolumbus herhalten, damit der Sohn des Erzählers endlich mehr Salat isst? Das erfahren Sie alles in den drei witzigen, mit Sprache spielenden kurzen Geschichten Die Homothematische, Die Gewandelte und Der Salatgeflüchtete von Ewart Reder.

Das Bücherregal ist dieses Mal besonders gut und wie immer recht international bestückt. Denn die Rezensionen von Walter Eigenmann, Wolfgang Schlott, Regine Kress-Fricke, Uli Rothfuss, Widmar Puhl und Peter Oehler entführen uns nach Deutschland, Georgien, Armenien, Frankreich und Palästina und spiegeln die Vielfalt der Literatur wider.

Ausklingen lassen wir diese Ausgabe von BAWÜLON mit Musik. Widmar Puhl berichtet sehr begeistert von überraschender Straßenmusik, einem Livestream-Konzert und einem Konzert, das er tatsächlich besuchen konnte.

Kürzlich fotografierte ich bei einem Spaziergang ein Graffiti, auf dem zwischen mir unverständlichen Zeichen und Bildern stand: Lesen hilft. Was immer der Sprayer sich dabei gedacht hat, dem ist nichts hinzuzufügen. In diesem Sinne: Viel Spaß mit dieser Ausgabe von BAWÜLON.

Barbara Zeizinger

• Rolf Bossert • Ein Gedicht für jede Jahreszeit • Anton Sterbling • Widmar Puhl • Sevak Aramazd • SAID • Britta Lübbers • Rolf-Bossert-Gedächtnispreis • Alexander Estis • Die Deutschen Literaturtage in Reschitza, XXXI. Auflage • Anton Sterbling • Alexander Estis • Carmen Elisabeth Puchianu • Ulrich Bergmann • Elisabeth Ochsenfeld • Andreas Andrej Peters • Ewart Reder • Walter Eigenmann • Wolfgang Schlott • Regine Kress-Fricke • Uli Rothfuss • Peter Oehler •

Barbara Zeizinger • Editorial / S. 5

Die Welt und ihre Dichter

• Ein Gedicht für jede Jahreszeit •

Rolf Bossert Lied / S. 6

Anton Sterbling • Temeswar. West . Erinnerung an Rolf Bossert / S. 8

Rolf Bossert •Achtzehn Gedichte / S. 9

Rolf-Bossert-Gedächtnispreis

Britta Lübbers • Neunzehn Gedichte / S. 25

Anton Sterbling • Auf die Sprache kommt es an . Einige Gedanken anlässlich der Verleihung des »Rolf Bossert« Gedächtnispreises/ S. 45

Britta Lübbers • Dankrede / S. 59

Alexander Estis • Aus dem Kleinen Neurotikon . Neunzehn

Miniaturen / S. 66

Alexander Estis • Kürzung. Ein Bericht/ S. 73

Katharina Kilzer • In der Erinnerung brennt ein Licht . Kultur- und Literaturtagung in Reschitza im August 2021 / S. 78

Carmen Elisabeth Puchianu • Die Bescherte . Prosa / S. 84

Sevak Aramazd • Armen . Auszug aus dem gleichnamigen Roman / S. 118

SAID Ein  Gedicht / S. 132

Ulrich Bergmann • SAID . 27.5.1947-15.5.2021/ S. 132

Widmar Puhl Sieben Achillesverse / S.133

Zeitgeschichte

Widmar Puhl • Abenteuerreise mit Chor . Teil IV / S. 145

Atelier

Elisabeth Ochsenfeld Blaue Brosche . Prosa / S. 156

Andreas Andrej Peters • Woskresenje . Prosa / S. 164

Ewart Reder • Die Homothematische . Prosa / S. 168

Bücherregal

Walter Eigenmann • Rainer Wedler, Die Versuche des Rudolph Anton R. / S. 176

Wolfgang Schlott • Guram Assatiani, So liebte man in Georgien / S. 179

Wolfgang Schlott • Nina Bouraoui, Geiseln / S. 181

Regine Kress-Fricke • Sevak Aramazd, Armen. / S.185

Uli Rothfuss • Isabella Hammad, Der Fremde aus Paris / S. 187

Uli Rothfuss • Eva-Maria Berg, eine schneise im wasser / une brèche dans l’eau . Pour la lumière dans l’espace. / S. 189

Widmar Puhl • Marica Bodrožić, Pantherzeit. Vom Innenmaß der Dinge / S. 192

Peter Oehler • An die Schwäne, 51 Beiträge zum 250. Geburtstag Friedrich Hölderlins. / S. 195

Aus der Kulturszene

Widmar Puhl • Opernständchen auf der Straße / S. 198

Widmar Puhl • Das Eröffnungskonzert zum Musikfest Stuttgart der Bachakademie / S. 200

Widmar Puhl • Ludwigsburger Schlossfestspiele / S. 203


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