BAWÜLON 31

BAWÜLON 3/2018 (31)

Vor fünfzehn Jahren ist das erste Buch im Pop-Verlag erschienen. Es war die deutsche Fassung der Lyrikanthologie Poesie/Poésie, die eigentlich im Ithaka-Verlag von Sergiu Stefanescu hätte erscheinen sollen, den dieser aus verschiedenen Gründen leider hatte aufgeben müssen. Wir denken oft an ihn, den warmherzigen, ideenreichen Freund, der 2015 viel zu früh gestorben ist.
Die Idee zu dieser deutsch-französischen Anthologie stammt von Gérard Blua, dem Leiter des Marseiller Verlags Autres Temps. Blua hat über vierzig Bücher geschrieben und ist einer der wichtigen Autoren Frankreichs. Das Buch ist 2003 unter dem Titel D’Allemagne et de Méditerranée erschienen. Es ist reizvoll, die deutschen mit den französischen Texten parallel zu lesen. Wir drucken zehn Gedichte aus der Anthologie ab, vielleicht ein kleiner Anreiz, Poesie/Poésie zu erwerben.
Mit Dieter Göltenboths An Abbruchkanten und Rodica Dra-ghincescus Morgen und Abend erschienen 2004 die ersten „eigenen“ Bücher im Verlag von Traian Pop, selbst Verfasser von Lyrik und Theaterstücken.
Von Reinhard Döhl lesen wir „Vermutungen“ über Göltenboths Bilder und Gedichte. Wir drucken ein Gedicht und zwei Prosatexte aus verschiedenen Werken des 2013 verstorbenen Autors und Bildenden Künstlers Göltenboth ab.
Drei kecke, lebendige Texte von Elisabeth Rieping folgen. Rieping ist 2009 mit dem Debütpreis des Pop-Verlags für den Prosaband Altgesellen ausgezeichnet worden. Leider ist sie noch im selben Jahr an ihrer schweren Krankheit gestorben.
Es folgt ein spannender Ausschnitt aus dem soeben erschienenen Roman Ich küsse Dir den Hintern, geliebter Führer des rumäni-schen Autors Daniel Banulescu. Er hat mehrere Gedichtbände veröffentlicht, einige Theaterstücke und den Romanzyklus „Die schönste Geschichte der Welt“, der sich zusammensetzt aus den Romanen „Ich küsse dir den Hintern, geliebter Führer“, „Der Teufel jagt nach deinem Herzen“ und „Der beste Roman aller Zeiten“. Zusammen mit seinem Übersetzer Ernest Wichner wurde er im Jahre 2005 mit dem Preis für Europäische Poesie der Stadt Münster ausgezeichnet.
Von Henrike Bradiceanu-Persem,, ebenfalls aus Rumänien, lesen wir eine gespenstische Geschichte zwischen Traum und Wirklichkeit, die mit dem Tod des Protagonisten endet. Die in Temeswar lebende Germanistin hat ihren Text selbst auf Deutsch geschrieben.
Der Viehmarkt ist ein Vorabdruck aus dem Romanmanuskript Das rote Akkordeon von Balthasar Waitz, einem 1950 in Nitchdorf geborenen Banater Schwaben, der heute in Temeswar lebt als Autor und Publizist (Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien).

Carsten Piper ist zurück mit einer neuen schrägen Geschichte mit dem schrägen Titel Aus dem denkwürdigen Leben von Arme Pflanze. Wie es zwischen Mensch und Pflanze zugeht, kann man mit einigem Vergnügen lesen.

Wolfgang Schlott, ein kenntnisreicher Wortjongleur, streift in seinen Langgedichten durch das Dickicht unserer immer unübersichtlicher werdenden Gesellschaft.
Von Johanna Anderka lesen wir Gedichte aus ihrem soeben beim Pop-Verlag erschienen Lyrikband.
Der Innsbrucker Roland Jordan besingt, musikalisch galant, die Frauen Katharina, Ana, Ioana, Eva und Ruth. Der Zithervirtuose spielt gekonnt mit Vers und Reim.
Von unserem Redaktionsmitglied Barbara Zeizinger stellen wir einen Abschnitt aus ihrem neuen Roman Er nannte mich Klárinka vor, der vom Einmarsch der Deutschen in das Sudetenland und den unterschiedlichen Reaktionen der Sudetendeutschen darauf handelt.
Regine Kress-Fricke lässt den alten einsamen Don Juan einen leidenschaftlich-resignativen Briefwechsel mit seiner „Grille“ führen.
Aus Rainer Wedlers neuem Roman Das Jahr Null ist das Jahr Zwölf“ drucken wir den Abschnitt ab, wo der junge Schneidergeselle Wilhelm August Fiebig mit Hitler im Gefängnis zusammentrifft.
Albrecht Schau hat ebenfalls ein neues Buch mit dem Titel Heitere Erkundungen zum Lebensmittelpunkt vorgelegt, aus dem wir ein zynisch-schönes Stück herausgebrochen haben.
Peter Frömmigs Miniaturen aus Vom Sondieren des Blickwinkels leuchten Alltägliches auf sensible, auch fast liebevolle Weise aus.
Peter Oehler, StadtteilHistoriker in Frankfurt/Main, erzählt, wie er sich mit dem Thema „Griechen in Frankfurt“ beschäftigt und dabei über seinen Zugang zum Rembetiko referiert. Rembetiko ist ein griechischer Musikstil, der aus der Verbindung der Volksmusik Griechenlands und der osmanischen Musiktradition hervorgegangen ist.

Unser Bücherregal ist wieder gut gefüllt mit Rezensionen von Wolfgang Schlott, Barbara Zeizinger und Kristine Kappe.

Aus der Kulturszene berichtet Widmar Puhl vom Auftritt des Taksim Trios bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, vom Stuttgarter Kammerorchester und seiner „barocken Cleopatra“ sowie vom ersten Auftritt Teodor Currentzis als Chefdirigent des SWR-Sinfonieorchesters und einer sehr lebendigen Einführung Currentzis in Mahlers Sinfonie Nr.3.

Wir denken, wir glauben, nein, wir sind uns gewiss, dass in dieser Ausgabe der „Bawülon“ für jeden etwas zu finden sein wird, auch für jede, obwohl wir seit Jahrhunderten „sie“ schon bei „jedem“ mitgedacht haben. Noch ist es kalt und die Stube warm, also zieht euch zurück in eure Nische und lest und trinkt ein Glas Grauburgunder. Natürlich darf es auch ein anderer Wein sein.

Rainer Wedler

Es signiert:

• Gérad Blua • Yves Broussard • Werner Dürrson • Rodica Draghincescu • Carmen Kotarski •Jacques Lovichi • François Montmaneix José F. A. Oliver • Klaus F. Schneider • Peter Frömmig • Rainer Wedler • Reinhard Döhl • Dieter Göltenboth • Daniel Bănulescu • Henrike Brădiceanu-Persem • Balthasar Waitz • Wolfgang Schlott • Johanna Anderka • Carsten Piper • Josy I. Wonder • Roland Jordan • Barbara Zeizinger • Regine Kress-Fricke • Peter Oehler • Christine Kappe • Widmar Puhl •
• 15 Jahre Literaturverlag Traian Pop •

Editorial / S. 5

Die Welt und ihre Dichter • 15 Jahre Literaturverlag Traian Pop
Gérad Blua • Vier Gedichte / S. 7
Yves Broussard • Wort halten · Auszüge / S. 12
Rodica Draghincescu • Um den Vater vergrößern zu können / S. 17
Werner Dürrson • Gedichte / S. 21
Carmen Kotarski • Gedichte / S. 25
Jacques Lovichi • Gedichte / S. 29
François Montmaneix • Gedichte / S. 35
José F. A. Oliver • Gedichte / S. 39
Klaus F. Schneider • Gedichte / S. 44
Rainer Wedler • Gedichte / S. 48
Reinhard Döhl • Vermutungen über Schiffe, Feuerstellen, Inseln, die Materialbilder und die Gedichte Dieter Göltenboths / S. 52
Dieter Göltenboth • Drei Gedichte / S. 55
Dieter Göltenboth • Hirngespinste des Rausches / S. 62
Dieter Göltenboth • 40 Jahre Bundesrepublik Rostock soll nicht DDR-typisch sein Pirsch in der Götterdämmerung / S. 64
Elisabeth Rieping • Rums, bums, wums ins frankophone Bulgarien . Der Grosse Orient . Ein schlimmer Verdacht. / S. 69
Daniel Bănulescu • Stören dich deine vorderen Schneidezähne? . Aus der Roman „Ich küsse Dir den Hintern, geliebter Führer“ / S. 83
Henrike Brădiceanu-Persem • Die nackte Angst / S. 95
Balthasar Waitz • Der Viehmarkt . Abdruck aus dem Roman Das rote Akkordeon./ S. 99

Zur Verhältnismäßigkeit der Relativität
Carsten Piper • Aus dem denkwürdigen Leben von Arme Pflanze / S. 109

Atelier
Wolfgang Schlott • Aus dem Zufall Zyklus . Vier Gedichte / S. 111
Johanna Anderka • Neun Gedichte / S. 119
Josy I. Wonder • Zwei Gedichte / S. 129
Roland Jordan • Elf Gedichte / S. 131
Barbara Zeizinger • Aus Charlottes Tagebuch . Ein Auszug aus dem Roman Er nannte mich Klárinka. / S. 142
Regine Kress-Fricke • Don Juans letzte Liebe und Selbstfindung / S. 151
Rainer Wedler • Das Jahr Null ist das Jahr Zwölf. Warum Hitler meinen Vater nur einmal getroffen hat . Ein Auszug aus dem gleichnamigen Roman. / S. 155
Albrecht Schau • „Sprich nur ein Wort…“ · Mord durchs Wort · Prosa / S. 166
Peter Frömmig • Vom Sondieren des Blickwinkels · Eine Auswahl · Prosa / S. 171
Peter Oehler • Fünf Griechen in der Hölle · Prosa / S. 180

Bücherregal
Wolfgang Schlott • Juli Zeh. Neujahr. / S. 185
Barbara Zeizinger • Ursula Teicher-Maier, Von dem oder der Algarve. / S.188
Christine Kappe • Amiran Swimonischwili. Gedichte / S.191

Aus der Kulturszene • Musik
Widmar Puhl • Türkischer Flamenco . Das Taksim Trio in Ludwigsburg / S. 195
Widmar Puhl • Das Stuttgarter Kammerorchester und eine barocke Cleopatra / S. 197
Widmar Puhl • Ein unvergessliches Konzert: Currentzis zum ersten… / S. 199
Widmar Puhl • Teodor Currentzis ganz nah in Stuttgart / S. 201


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