BAWÜLON 27

BAWÜLON 3/2017 (27)

Die neue BAWÜLON, mit voller Kraft ins neue Jahr, hat nach der sorbischen Literatur wieder den Schwerpunkt im Osten, dieses Mal ein bisschen weiter der aufgehenden Sonne entgegen. Einmal ist dies Rumänien, 2018 Gastland auf der Leipziger Buchmesse, zum anderen Georgien im selben Jahr in Frankfurt.

Vorangestellt haben wir einige Kurzprosastücke der Kulturjournalistin und Drehbuchautorin Ingrid Mylo, die 2017 den Renate-Chotjewitz-Häfner-Förderpreis erhalten hat. Es sind komprimierte Szenen und Beobachtungen aus dem Alltag, die aber darüber hinausweisen. Und wir schließen diese BAWÜLON mit der Rede zur Preisverleihung von Irmgard Maria Ostermann und Alexander Pfeiffer sowie der Laudatio von Hazel Rosenstrauch.

Von Robert Serban bringen wir acht Gedichte in Rumänisch und in deutscher Übersetzung von Gerhardt Csejka. Serban, 1970 in Turnu Severin geboren, hat für sein Werk schon einige Preise und Ehrungen erhalten, zuletzt wurde er von der rumänischen Präsidentschaft in den Rang eines Ritters erhoben. Es sind einfühlsame Gedichte nicht nur über die Kindheit, die auch von versteckter Gewalt sprechen. Passend dazu eine auf das Wesentliche reduzierte Sprache, geradezu programmatisch das Gedicht Der Einstieg, wo es heißt: Ich streiche die Wörter / aus dem Gedicht.

Johann Lippet, rumänisch-deutscher Autor, kann auf ein umfangreiches Werk blicken, das nicht zuletzt in Teilen im Pop-Verlag erschienen ist. Hier hat er zwei kleine, aber intensive Texte beigesteuert.

Wolfgang Dahmen, Professor für Rumänische Philologie in Jena, zeigt an drei Beispielen, wie Vertreter kleiner ethnischer Gruppen, die sich nicht genügend beachtet sehen, sich literarisch zu dieser Situation äußern. Dahmen hat drei Gedichte ausgewählt, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sind, in einer Zeit also, in der der Nationalismus in voller Blüte stand. Es sind Texte in rumänischer, aromunischer und bündnerromanischer Sprache.

Von dem rumäniendeutschen Journalisten und Autor Werner Kremm folgt ein Langgedicht, dessen Titel Periampotgedicht man erst mal googeln muss, um anschließend Vermutungen anzustellen. Gemeint ist wohl eine kleine Gemeinde in Rumänien, wo es viel regnet. Auf jeden Fall haben wir ein Gedicht vor uns, das zum genauen Lesen auffordert.

Das Gastland Georgien ist durch Guram Assatiani vertreten. Isa Ordschonikidse, der Leiterin des Georgischen Giorgi-Leonidse-Literaturmuseums, haben wir die „Wiederentdeckung“ etlicher georgischer Autoren zu verdanken, so auch Guram Assatianis. Zunächst stellt sie eine Reihe kurzer Gedanken und Beobachtungen des Autors vor, dann ein Gespräch kurz vor seinem Tod mit einem Rundfunkreporter, das die Breite und Tiefe seines Denkens aufscheinen lässt und auch das, was die „georgische Seele“ ausmacht.

Maka Elbakidse gibt eine detaillierte Einführung in das georgische Nationalepos „Der Recke im Pantherfell“, das von Schota Rustaweli um 1200 verfasst worden ist. In Europa fand das Poem erst Ende des 19. Jahrhunderts Beachtung. Im Kern geht es um wahre Freundschaft und echte, tiefe Liebe. Eindrucksvolle historische Bilder geben einen Eindruck von der Verankerung dieses Werkes in der georgischen Kultur.

Harter Schnitt, mit Carsten Pipers „Coming out mit Rohrohrzucker“ sind wir wieder ganz in der Gegenwart. Der Satiriker bringt zu Papier, was ihm Kurioses auf- und einfällt, und wenn es auch nur die Kaminofenwerbung auf dem Raststättenklo ist.
Henning Schönenberger schreibt unverdrossen weiter an seiner „geheimschrift“ und singt seinen vierzehnten Gesang.

Im „Atelier“ trifft man auf Kristiane Kondrat, die uns mitnimmt in ihre lyrischen griechischen und schweizerischen Impressionen.
Von Uli Rothfuss lesen wir einige seiner Liebesgedichte aus dem von Tugba Simsek originell illustrierten Lyrikband „trinken dich. und worte neu erfinden.“.
Jürgen Israel stellt seinen neuen Erzählband „Der junge Herr Godeau am Karfreitag“ mit der kleinen Geschichte „Der Wirt“ vor.
Rainer Wedlers „Kleines Alphabet der Telekom“ ist ironisch von A bis Z, bei seinen „Aphorismen“ kann ab und an noch eine Prise Sarkasmus dazu kommen.
Der letzte Gast im „Atelier“ ist Ulrich Bergmann mit vier kurzen Prosastücken.

Das Bücherregal ist prall gefüllt mit Rezensionen von Dieter Mettler, Wolfgang Schlott, Peter Oehler, Josy I. Wonder und Rainer Wedler.

Wer jetzt nichts findet, findet keines mehr.

Rainer Wedler

 

Es signiert:

 • Johann Lippet • Robert Şerban • Leipziger Buchmesse 2018 • Gastland Rumänien • Ingrid Mylo • Wolfgang Dahmen • Werner Kremm • Jürgen Israel • Uli Rothfuss • Frankfurter Buchmesse 2018 • Gastland Georgien • Guram Assatiani • Maka Elbakidze • Eine kurze Einführung in die georgische Literatur (Teil III) • Ulrich Bergmann • Peter Oehler • Dieter Mettler • Kristiane Kondrat • Rainer Wedler • Alexander Pfeiffer • Irmgard Maria Ostermann • Hazel Rosenstrauch • Henning Schönenberger • Carsten Piper • Wolfgang Schlott • Josy I. Wonder •

Editorial / S. 4

Die Welt und ihre Dichter

Ingrid Mylo • Kurzprosa / S. 7

Leipziger Buchmesse 2018 • Gastland Rumänien
Robert Şerban • Acht Gedichte . Rum./ Dt. / S. 12
Johann Lippet • Kurzprosa / S. 42
Wolfgang Dahmen • Literatur im Dienste der nationalen Sache. Zur Verherrlichung der Muttersprache am Beispiel dreier Gedichte / S. 47
Werner Kremm • Periamportbewusstsein. In memoriam August 1974 • Ein Gedicht / S. 63

Frankfurter Buchmesse 2018 • Gastland Georgien
Guram Assatiani • Aus den Aufzeichnungen / S. 80
Guram Assatiani • Die letzte Unterhaltung / S. 99
• Eine kurze Einführung in die georgische Literatur •
Maka Elbakidze • Schota Rustaweli und sein Epos „Der Recke im Pantherfell“ / S. 111

Zur Verhältnismäßigkeit der Relativität
Carsten Piper • Coming Out mit Rohrohrzucker / S.126

Fortsetzungsversroman
Henning Schönenberger • geheimschrift des iohanan vom aufstieg aus dem dunkelen reich ins licht . vierzehnter gesang / S.128

Atelier
Kristiane Kondrat • griechische Impressionen / Schweizer Impressionen . Acht Gedichte / S. 132
Uli Rothfuss • Acht Gedichte / S. 140
Jürgen Israel • Kurzprosa / S. 152
Rainer Wedler • Kleines Alphabet der Telekom . Kurzprosa / S. 157
Rainer Wedler • Aphorismen . Kurzprosa / S. 155
Ulrich Bergmann • Legendäre Anekdoten . Kleine Erzählungen/ S.167

Bücherregal
Dieter Mettler • Charles Baudelaire, Wein und Haschisch. / S.173
Wolfgang Schlott • Franz Hohler, Das Päckchen / S.181
Wolfgang Schlott • T. A. Wilrode, Fliege Cuba und andere Abenteuer oder wie ich lernte, einem Bücherfreund die Augen für das wahre Leben zu öffnen und den Bombenanschlägen dieser Welt aus dem Weg zu gehen. / S.184
Peter Oehler • Thomas Lux, Lobotomobil. Ausgewählte Gedichte. / S.186
Josy I. Wonder • Traian Pop Traian & Liviu Tulbure, Bleierne Flügel. / S.189
Rainer Wedler • Thomas Weibel, Bare Münze. Gallier und heilige Gänse: Was es über Geld zu wissen gibt. / S.191
Rainer Wedler • Wolfgang Ullrich, Wahre Meisterwerke. Stilkritik einer neuen Bekenntniskultur, / S.193

Forum
Alexander Pfeiffer / Irmgard Maria Ostermann • Renate-Chotjewitz-Häfner-Förderpreis für Autorinnen 2017 / S.195
Hazel Rosenstrauch • Ingrid Mylo hat mich korrumpiert . Laudatio / S.200


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